LaJuCamp Thema “Zeit”

Ansichten zur Zeit

Was also ist die Zeit? Wenn mich niemand fragt, weiß ich es.
Wenn ich es jemandem erklären will, der fragt, weiß ich es nicht.“
(Augustinus, Bekenntnisse XI 14)

Zeit: sie macht es uns nicht leicht. Sie lässt sich nicht festhalten und kann doch zäher sein als ein Kaugummi. Sie ist nicht sichtbar, aber hinterlässt überall deutliche Spuren. Sie besitzt unterschiedliche Geschwindigkeiten, die direkt an unsere Befindlichkeit gekoppelt sind. Was schnell vergehen soll, hat keine Eile. Was bleiben soll, vergeht wie im Flug. Wir können die Zeit vertreiben, strecken, dehnen, verschwenden, nutzen, sparen und mehr. Unsere Sprache kennt viele Ausdrücke und lässt die Zeit dabei zu einem „Material“ werden, das extrem wandlungsfähig und belastbar ist.

Wir können Zeit sogar totschlagen, ohne dass wir deshalb vor einem Gericht erscheinen müssen. Außerdem verschwin-det die Zeit nicht, selbst wenn wir das tun. Ihr kennt alle das Spiel mit der Sanduhr. Wenn man sie umdreht, dann muss ein ganzer Berg durch ein Nadelöhr fließen. Wer will, kann die Sanduhr umdrehen und das Spiel von vorn beginnen.
Im Leben ist das nicht möglich. Da bleibt uns nur eine Chan-ce. Wir alle besitzen einen Zeitvorrat, der begrenzt ist. Wenn wir davon auch noch jede Menge totschlagen, treffen wir letztlich uns selbst damit. Deshalb ist es wichtig, wie wir un-sere Zeit füllen, was wir aus ihr machen. Das weiß ich. Die-ses Wissen liegt wie ein Schatten auf meinem Denken und Tun. Menschen „verschwinden wie ein Traum. Sie sind vergänglich wie das Gras:  Morgens noch grünt und blüht es, am Abend schon ist es verwelkt.“ (Psalm 90, 5b-6)
Macht mir das Angst? Soll ich mich davon beherrschen lassen? Oder gibt es andere Wege? Das Erfahren der Vergänglichkeit greift tief in mein Leben ein. Aber ich bin nicht einfach Opfer. Ich kann entscheiden, wie ich mich dazu verhalte. Ich kann darüber nachdenken und zu Schlussfolgerungen kommen, die nicht hoffnungslos sind. Zeit geht jede und jeden etwas an. Sie ist also auch etwas, das uns verbindet. Es gibt Entwicklungen, die alle betreffen und die deshalb auch nach möglichst breiten Antworten verlangen.
In vielen Bereichen brennt es: der hausgemachte Klimawandel, die schwindenden Rohstoffe, die ungerechte Verteilung des Reichtums in der Welt sind momentan wohl die drei größten  Probleme, die uns herausfordern. Alle wissen davon, aber viel zu wenige handeln bislang. Können wir uns das noch leisten?

Auch hier gibt es Möglichkeiten, dem etwas entgegenzusetzen, Projekte zu entwickeln, die im kleinen Großes bewirken, Ideen zu schmieden, die die Welt zusammenhalten.
Das Landesjugendcamp 2010 als Zukunftswerkstatt, als Schatzhöhle guter Lebenseinsichten, als Spaßquelle, als reales Facebook, als Ort quicklebendigen Christseins?  Ja, natürlich! Genau das soll es sein und noch viel mehr! Es liegt in eurer Hand! Macht was draus!

(Text von Wolfgang Blaffert, bearbeitet von Hans-Dieter Sweers)

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